Leben im System

Ist es nicht verrückt, wie wir uns leiten lassen von all dem, was uns umgibt und trotzdem denken, dass wir über unser Leben selbst entscheiden?

Zumindest ich habe diese Erfahrung gemacht. Wenn man noch nie Freiheit gefühlt hat, dann kann man es sich auch nicht vorstellen.

Etwa 8 Monate bin ich mit einer Freundin durch Europa gereist und Freiheit fühlt sich in etwa an wie endlos glücklich sein, keinen einzigen schlechten Gedanken zu haben und nicht zu wissen, wie morgen wird oder nächste Woche oder nächster Monat. Es ist eine ewige Überraschung und gleichzeitig ist es einem auch egal, was morgen ist, weil nur das Heute zählt in dem Moment. 

Ich kann es zwar beschreiben, dieses Gefühl, aber nachempfinden können es wahrscheinlich nur die Wenigsten.

Seit 7 Monaten nun lebe ich wieder in dem System, das uns irgendwie alle umgibt, wenn wir uns nicht dagegen wehren. 

Ich gehe arbeiten, manchmal 12 Tage am Stück, bin übermüdet, freue mich über jede Sekunde, in der ich mir aussuchen kann, was ich mit ihr anstelle, zwinge mich morgens aus dem Bett und das Schlimme daran ist, dass ich mich an das alles irgendwie gewöhne.

Das System gibt dir deine Zeit vor, die du in Tätigkeiten investieren musst, damit du dein Geld verdienst und somit überlebst. Ohne Terminplaner funktioniert das System fast schon nicht mehr. 

Jede Minute wird auf’s Handy geschaut. Schon wieder ‘ne neue Nachricht, zwei Anrufe verpasst, scheiße, das war wichtig, dies war wichtig, alles ist wichtig!

Nur nicht die Zeit. 

Kennt ihr den Film “In Time” mit Justin Timberlake? Dort wird alles mit der Zeit bezahlt – und welch Ironie, irgendwie tun wir das doch schon.

Zeit ist Geld, heißt es doch so schön. Wir leben und leben, um Geld zu verdienen und haben dann das Geld, das wir für sinnlose Dinge ausgeben, anstatt sie in Erinnerungen zu investieren.

Manchmal erwischen wir Momente, in denen Erinnerungen entstehen und an diese denken wir dann immer, wenn uns mal auffällt, dass wir mit der Zeit, die wir auf der Arbeit verbringen unser Leben bezahlen – denn das ist irgendwann vorbei.

Lustig nicht wahr? Ja, das Leben ist irgendwann vorbei. Und dann sind wir weg und sind möglicherweise selbst nur eine Erinnerung.